Mein neuer Fachaufsatz

Im neuen Heft der Mitteilungen des Altphilologenverbandes in Baden-Württemberg ist ein Aufsatz  von mir veröffentlicht worden, der den Neoplatoniker Porphyrios behandelt: „Ein Neoplatoniker im Streit mit dem Christentum – Neues aus Frankreich und Italien zu Porphyrios“. Das Heft (1/2020) ist auch online abrufbar unter www.dav-bw.de/downloads-2/

Aktueller Nachdruck meines Französischbuchs

Phrases-clés pour l’écrit et l’oral, das ich zusammen mit Valérie Deinert verfasst habe und das zu einem der erfolgreichsten deutschen Französischbücher geworden ist, ist erneut nachgedruckt. Es enthält die zentralen Vokabeln und Redewendungen für Textarbeit und Kommunikation, nach Kompetenzen geordnet und in besonders übersichtlicher Präsentation.

Realität&Fiktion

„Die Realität übertrifft die Fiktion“ – „La realidad supera la ficción“ ist ein spanisches Sprichwort. Wie wahr!

Im Jahre 2017 verstarb Jesús Tuson, einer der bedeutendsten katalanischen Sprachwissenschaftler, Professor für Linguistik an der Universität Barcelona. Neben seinem umfangreichen wissenschaftlichen Werk schrieb Tuson auch für das allgemeine Publikum.


Eines seiner erfolgreichsten Bücher ist Històries naturals de la paraula, Naturgeschichten des Wortes. In dieser Sammlung von Vignetten zu verschiedenen sprachlichen Themen geht es Tuson darum,  die Wechselwirkungen zwischen sprachlicher Veränderung und Alltagsleben zu veranschaulichen. Er setzt sich für Respekt im Alltag gegenüber jeder Sprachgemeinschaft ein, auch der kleinsten. Wie zu erwarten, verteidigt er vor allem das Katalanische gegen die Vormacht des Spanischen, aber aus der Position eines Liberalen, nicht der des Eiferers.

Das Buch erschien zuerst 1998 und ist seitdem wiederholt nachgedruckt worden. Man merkt ihm seine über zwanzig Jahre nicht an, es könnte gestern geschrieben sein.

Mit einer einzigen, aufschlussreichen und befremdenden Ausnahme. In dem Kapitel „Wörter und Lügen“ („Paraules i mentides“) behandelt Tuson auch die Gängelungen seitens der „politisch-korrekten“ Sprache, die „privacions lingüístiques“, also den Raubbau an der Sprache, den er scharf kritisiert.

Jede Art von verordneten Sprachregeln, so schreibt er, löse jedoch immer auch eine Gegenbewegung aus. „Contra eufemisme, rebel·lió“ ist der Titel des Unterkapitels.

Die Zukunft werde zeigen, ob es den Hütern des Neusprech gelänge, uns in bester Orwell-Manier zu dressieren, oder ob der Aufstand der Tiere, „la revolta del animals“, sie von der Farm verjagen würde, ein Aufstand „gegen die soziale Heuchelei, gegen die Gängelungen durch einige Machtzentren, die die wahrhaftigen Namen der Dinge verbieten (que prohibeixen els noms veritables de les coses)“.

Was Tuson schreibt, muss 2020 jeden kritischen Geist in doppelter Hinsicht frustrieren. Denn zum einen wissen wir inzwischen: Aufstand?  Keine Spur, vor allem (natürlich) hier in Deutschland nicht.

Eine so entschiedene Ablehnung des herrschenden Sprachregiments könnte sich kein deutscher Linguistik-Professor mehr ,herausnehmen‘. Wenn ein Liberaler wie Tuson einen solchen kritischen Text in einer Zeitung veröffentlichen wollte – in welcher sollte er das tun? Etwa in der ZEIT?!

Ein zweiter Punkt aber ist noch unerfreulicher. Für Tuson war es 1998 ein Zeichen der Hoffnung, ein Silberstreif, dass sich längst Satiriker des Themas „politische Korrektheit“ angenommen hätten: „Comença, doncs, la rebel·lió.“

Er nennt und zitiert ein Beispiel, eine satirische ,Übersetzung‘ (von James Finn Garner) des Märchens vom Rotkäppchen in die Denk- und Sprachwelt der Sprachkontrolleure.

Nur: 2020 ist die Satire längst real geworden. Vielen Lesern dürfte die Absicht gar nicht mehr auffallen. Einen Claus Kleber etwa, um das Beispiel dieses standhaft, ja glorreich humorfreien Sprachwarts zu nennen, wird kein Lachmuskel jucken, wenn er liest:

„Eines schönen Tages bat die Mutter Rotkäppchen, der Großmutter einen Korb mit frischem Obst und Mineralwasser zu bringen; keineswegs etwa, weil es typisch weibliches Verhalten wäre, so etwas zu tun, sondern als ein großzügiger Beitrag zur Stiftung von Solidaritätsbewußtsein (a crear un sentiment solidari).“

Längst sind ja alle möglichen Kinder- und Jugendbücher so oder ähnlich überarbeitet. Es gibt eine ganze neue Art von ideologischer Waffe gegen den Humor: Man macht aus Persiflage einfach Klartext.

Wirklich überraschend ist diese Beobachtung nicht, man denke an die Scherze vor einigen Jahren über freie Toilettenwahl des Individuums oder über immer neue Genderklassifizierungen. Erst war es Satire, dann wurde es real. In der englischsprachigen Welt ist seit Jahren der Aufschrei zu hören „1984 was a novel, not a blueprint!“. Umsonst.

Wer also persiflierend oder satirisch eigene Wortschöpfungen in die Welt setzt, könnte seine Persiflagen einige Zeit später von den Lippen eben jenes Claus Kleber hören, ex cathedra. Der wird übrigens für seine Gutsherrntätigkeit mit 600 000 Euro Bruttoverdienst pro Jahr entlohnt (ich habe es zuerst auch nicht geglaubt).

Die Kritiker sollten also aufhören zu spaßen, um die anderen nicht auf dumme Gedanken zu bringen.

Wie sagte doch Camille Desmoulins auf dem Weg zur Guillotine: „C’est ma plaisanterie qui m’a tué.“ Er hatte einen Witz über Saint-Just gemacht …

 

Històries naturals de la paraula. Editorial Empúries, Barcelona 2015. Die drei Unterkapitel von Paraules i mentides (S. 49-59): Tabú; Contra tabú, eufemisme; Contra eufemisme rebel·lió.

Drohe zu werden!

Am 25. Juni 2020 veröffentlichte ich einen kurzen Blog-Eintrag mit dem Titel ,Zitat des Tages: Nervende Psychotherapeuten‘, um zu würdigen, dass die Frankfurter Allgemeine Zeitung endlich die restringierenden Normen deutscher Grammatik zugunsten von viel mehr Vielfalt über Bord geworfen hat. 

Die Redaktion von BILD hat meinen Text zur Kenntnis genommen und möchte dokumentieren, dass sie der FAZ in nichts nachsteht. Des Deutschen nicht mächtige Journalisten (=to put it politically correctly: the syntactically handicapped, sorry: challenged) sind auch bei der BILD-Zeitung, der Gralshüterin (Gralshütenden?) deutscher Prosa, rundum integriert, keinesfalls: diskriminiert. Hier der Beleg (Bild.de von gestern): „Syrerin Mayaz (16) hat eine Ausbildungsstelle und droht abgeschoben zu werden.“

Traduttore, traditore – Traduire, c’est trahir -Der Übersetzer: ein Verräter

Aus Pascals Pensées:

Die Menschen sind notwendigerweise so verrückt, dass ein nicht-Verrückter nur auf andere Weise verrückt wäre.

Wahr auf dieser Seite der Pyrenäen, falsch auf der anderen.

Wer die Eitelkeit der Welt nicht sieht, ist selber eitel.

Die Nase der Kleopatra: Wäre sie kürzer gewesen, das ganze Antlitz der Erde hätte sich gewandelt.

Vielfalt, die nicht auf Einheit zurückgeht, ist Wirrwarr; Einheit, die sich nicht auf Vielfalt gründet, Tyrannei.

Der Mensch ist weder Engel noch Tier, und das Unglück will es, dass, wer den Engel spielen will, zum Tier wird.

Nie tut man das Böse so vollständig und mit so heiterer Gelassenheit, wie wenn man es mit gutem Gewissen tut.

Zwei Exzesse: die Vernunft ausschalten; nichts als die Vernunft zulassen. (1)

Les hommes sont si nécessairement fous que ce serait être fou par un autre tour de folie de n’être pas fou. (414-112)

Vérité en-decà des Pyrénées, erreur au-delà. (294-609)

Qui ne voit pas la vanité du monde est bien vain lui-même. (164-36)

Le nez de Cléopâtre: s’il eût été plus court, toute la face de la terre aurait changé. (162-413)

La multitude qui ne se réduit pas à l’unité est confusion; l’unité qui ne dépend pas de la multitude est tyrannie. (871-604)

L’homme n’est ni ange ni bête, et le malheur veut que qui veut faire l’ange fait la bête. (358-678)

Jamais on ne fait le mal si pleinement et si gaiement que quand on le fait par conscience. (895-813)

Deux excès: exclure la raison, n’admettre que la raison. (253-183)

An Pascal-Zitaten, in alle Sprachen übersetzt, ist im Internet kein Mangel. Einzelzitate, aber auch ganze Sammlungen von Auszügen aus den Pensées sind leicht zu finden.

Als ich ein paar solcher Stellen auswählte und übersetzte, ging es mir primär nicht um die Weitergabe von philosophischen Einsichten Pascals – obwohl ich das mit diesen Zitaten aus den Pensées gerne tue – sondern um eine philologische Frage: Wie genau ist es zu erklären, dass die Übersetzungen (mehr oder weniger)  wirkungsvoll sein mögen, wenn sie für sich stehen, beim Vergleich mit den französischen Originalen aber sofort schwerfällig und unelegant wirken?

Pascals schlichter Wortschatz, seine Antithesen, Paradoxa und überraschende Beispiele sind unschwer wiederzugeben. Kein Vergleich etwa mit Problemen, die sich dem in den Weg stellen, der sich daran macht, Philosophisches aus dem klassischen Griechisch zu übersetzen.

Ebenso seine semantischen und syntaktischen Stilfiguren, etwa: Vielfalt Einheit Wirrwarr Einheit VielfaltTyrannei. Was genau aber ist es, was die Originalzitate so unnachahmlich und einprägsam macht?

Die Hauptursache, denke ich, liegt in der Wortlänge. Der französische Wortschatz stellte Pascal eine Vielzahl wesentlich kürzerer Wörter zur Verfügung, als sie der deutsche Übersetzer hat. Im ersten Zitat etwa entspricht dem winzigen Einsilber fou, der die ganze Bedeutungslast trägt, das deutsche ,verrückt‘, das die Übersetzung klobiger macht als das Original.

Außerdem ist der Satzrhythmus schwer nachahmbar, ebenso natürlich die Klanggestalt, die Pascal stets wirkungsvoll einzusetzen versteht. So verwendet er für seine Antithesen gerne Wörter mit derselben Silbenzahl, was die Gegenüberstellung scharf hervortreten lässt: en-decà versus au-delà, ange versus bête.

Meine Zitate aus den Pensées sind auf Deutsch alle länger als die Originale, wirken in der Gegenüberstellung wie aufgedunsen.

Dabei ist maximale Kürze bei maximalem Inhalt das Grundkriterium für das Gelingen aller Sentenzen, Sprichwörter, Bonmots. Darauf zielen alle Epitheta, die man im Deutschen für solche sprachlichen Äußerungen verwendet, zum Beispiel ,glänzend formuliert‘, ,geschliffen‘, ,zugespitzt‘ ,pointiert‘, ,(aus-)gefeilt‘. Keinesfalls zufällig ist, dass solche Wörter, die den gelungenen Stil rühmen, meist Perfekt-Partizipien sind, also Verbformen, die den Abschluss einer Handlung bezeichnen, hier den des Arbeitens, des Feilens an der Formulierung. Eleganz, so heißt es ja, ist die Kunst des Weglassens.

Der Nachteil des Vergleichs mit dem Original gilt selbstverständlich auch für französische Übersetzungen, vor allem für Texte aus solchen Sprachen, die sich noch kürzer fassen: Latein, Englisch, Spanisch, wo es die französischen Wiedergaben sind, die oft recht unvorteilhaft in die Breite gehen.

Ein Hauptproblem der Wiedergabe deutscher Texte im Französischen besteht darin, dass dabei nicht nur Klanggestalt und Rhythmus, sondern auch kernige Schlichtheit und Tiefe (=Herleitbarkeit aus Elementarwörtern) des germanischen Wortmaterials verloren gehen, wenn aus Grund raison, aus Handlung action, aus Gefühl émotion, aus Bewunderung admiration, aus verrückt fou wird. Im Englischen, wo romanische und germanische Elemente im Wortschatz Seite an Seite gebraucht werden, tritt dieser Unterschied ebenfalls hervor: jeder Gast freut sich über a hearty welcome mehr als über a cordial reception.

Zurück zu Pascal. Zurecht lernen französische Schüler (2):

„Auch seine erbittertsten Verleumder, die seine apologetische Haltung ablehnen, würdigten eminente stilistische Qualitäten Pascals: die Präzision seines Wortgebrauchs – unverzichtbare Bedingung für die Klarheit des Denkens – die Ablehnung von Übertreibungen und Exzessen, den Sinn für die Formel.“

„Même ses plus farouches détracteurs, qui contestent sa démarche apologétique, reconnaissent à Pascal d’éminentes qualités de style: la précision du mot, condition indispensable à la clarté de la pensée, le refus des outrances et des excès, le sens de la formule.“

(1) Zitiert und übersetzt nach der Ausgabe von D. Descotes (Flammarion) Paris 1976.

(2) Alain Couprie, Pensées. Grandeur et misère de l’homme. Blaise Pascal, (Profil BAC, Hatier) Paris 2008, S. 6.

Tag&Abend

                              Cal pas dire de mal del jorn que non siá passat.

                     (Il ne faut pas médire du jour, avant qu’il ne soit passé.)

                             Man soll den Tag nicht vor dem Abend schmähen.

                                                Okzitanisches Sprichwort.

Jean-Baptiste Hiriart-Urruty, Ah,ça c’est bien dit! 1001 proverbes du Pays basque, d’Occitanie, de Catalogne … et d’ailleurs. 2019, S. 67.

Zitat des Tages: nervende Psychotherapeuten

„Fünf Dinge, die jetzt als Psychotherapeut nerven“ – Schlagzeile aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 24. Juni 2020. Der Artikel stammt von einem Jan Kalbitzer, offenkundig kein deutscher ,native speaker‘. Man sieht: Die Beherrschung elementarer Syntax-Regeln des Deutschen ist keine Eingangsvoraussetzung bei der (früher mal renommierten, heutzutage vor allem: sterbenslangweiligen) FAZ.

Ladies, caught red-handed

Mrs. Digby told me that when she lived in London with her sister, Mrs. Brooke, they were, every now and then, honoured by the visits of Dr. Samuel Johnson. He called on them one day , soon after the publication of his immortal dictionary. The two ladies paid him due compliments on the occasion. Among other topics of praise, they very much commended the omission of all naughty words. What! my dears! then you have been looking for them? said the moralist. The ladies, confused at being caught, dropped the subject of the dictionary.

J. Sutherland, The Oxford Book of Literary Anecdotes, Oxford 1982, S. 108.

Weltsprache Galicisch – O galego, lingua mundial

Historia da lingua galega ist der Titel eines kurzweiligen Taschenbuchs,1 das die Geschichte des Galicischen, des galego, skizziert. Im Jahre 60 v. Chr. eroberte Julius Caesar den Nordwesten Spaniens, Galicien, dessen Einwohner in befestigten Orten lebten, den castros. Das Lateinische wurde die Sprache der römischen Provinz Gallaecia. Ab dem Mittelalter, bis in die Gegenwart, ist Galicien Ziel der Pilger nach Santiago de Compostela, zum Grab des heiligen Jakob. Das Gebiet an der Peripherie gehört zum Herzen Europas.

Im Mittelalter war galego Kultur- und Dichtersprache, wurde aber vom Kastilischen verdrängt. Heute jedoch ist es eine der Staatssprachen Spaniens.

Aus: Dierke, Taschenatlas der Welt (dtv), 7. Aufl. 1992. Ausschnitt aus der Karte Spanien/Portugal, S. 70//71, auf der man deutlich den Verlauf der beiden Flüsse Minho und Douro  sehen kann.


„Mama, Papa, in welcher Sprache redet ihr eigentlich? Im Wörterbuch steht keins von den Wörtern, die ihr sagt.“ Die drei Verbformen zeigen die enge Verwandtschaft, nicht Identität, mit dem Portugiesischen. ,Falades‘ = port. falais (ungebräuchlich); vén = port. vem; dicides =dizeis (ungebräuchlich). Spanisch: habláis; viene; decís.

Der Verfasser, Pepe Carreiro, von dem auch alle Illustrationen stammen, stellt präzise das Verhältnis zwischen dem Galicischen und dem Portugiesischen dar:

„Das Galicische war die Sprache ganz ,Gallaecias‘, eines Gebietes, das das heutige Galicien umfasste, dazu Portugal bis Coimbra sowie den westlichen Teil von Asturien und Leon. Daher kann man noch heute Galicisch an manchen Orten dieser beiden letztgenannten Territorien hören.

Stahlstich des XIX. Jahrhunderts

Aber im 12. Jahrhundert entstand das Königreich Portugal und Gallaecia wurde durch den Fluss Minho geteilt. Seitdem gibt es zwei Arten von Galicisch: das, was wir nördlich vom Minho sprechen, und das was sie (=die Portugiesen) südlich von ihm sprechen. Diese Teilung hat seine Entwicklung beeinflusst, aber das Galicische und das Portugiesische sind auch heute noch Zwillingssprachen. Die Portuguiesen brachten das Galego-Portugiesische bis nach Lissabon und Algarbien, Territorien, die sie von den Mauren eroberten. Und, weil sie überaus wagemutig waren, setzten sie seine Ausbreitung fort, nach Brasilien, Afrika, sogar nach China. Dank dieser imperialistischen Triebkräfte können wir heutzutage mit über 200 Millionen Menschen in unserer eigenen Sprache sprechen.“ (S. 12)

O galego era a lingua de toda a Gallaecia, territorio que comprendía o que hoxe è Galicia, Portugal até Coimbra, e a parte occidental de Asturias e León. Por iso, aínda hoxe oímos falar galego en lugares destes dous últimos territorios. Mais no século XII naceu o reino de Portugal e a Gallaecia ficou dividida polo Minho. Dende aquela hai dous galegos, o que falamos do Minho cara ao norte e o que falan do Minho cara ao sur. Esta división  ingluíu na sua evolución, mais o galego e o portugués aínda non deixaren hoxe de seren linguas xemelgas. os portugueses levaron o galego-portugués até Lisboa e o Algarve, terras que lles conquistaron aos mouros. E, como eran ouados abondo, cotinuaron até o Brasil, África e incluso a China. Grazas a estas ansias imperialistas, podemos hoxe falar con máis de douscentos millóns de persoas en todo o m undo na nosa propria lingua.

Spanien im XII. Jahrhundert (aus: Atlas histórico de Espana y Portugal, Julio López-Davalillo Larrea, Madrid (Editorial Síntesis) 1999.

„Ich habe die Nase voll von Schafen, ich lerne jetzt Kastilisch und werde Minister.“

Bleibt zu ergänzen, dass es heutzutage (mindestens!) drei Formen des Portugiesischen gibt: Galicisch, Portugiesisch und Brasilianisch. Bemerkenswert: Es gibt uralte sprachliche Fragmente, Einzelwörter der Sprache der Einwohner Galiciens vor der römischen Eroberung, die noch heute verwendet werden, und auch ihren Weg nach Übersee, nach Brasilien gefunden haben (S. 4).

Silberne Pilgermuschel mit herrlicher Patina. Santiago de Compostela, Ano Santo 1982.

1  Pepe Carreiro, Historia da lingua galega. Do latín ao acento de Burgos. Baía Edicións, A Coruna 2012.

2  Fettdruck im Original, auch bei ,Zwillingssprachen‘.

Lockende Reize, reizende Locken

1802 erschien zum ersten Mal Johann August Eberhards (geb. 1739, gest. 1809) synonymisches Handwörterbuch der deutschen Sprache. Später wurde es von Otto Lyon mehrfach überarbeitet. Das Werk in der 17. Auflage 1910 ist ein Handwörterbuch (20 cm hoch, ca. 13,5 cm breit, ca. 6,5 cm tief), was bemerkenswert ist angesichts der Masse wohlgeordneter Informationen auf 1201 Seiten.

Jeder Gruppe von Synonymen, also etwa Anfangen, Anbrechen, Anheben, Beginnen, Antreten sind die Äquivalente auf Englisch, Französisch, Italienisch und Russisch vorangestellt. Danach werden die Wörter fein differenzierend voneinander abgegrenzt und mit Beispielen veranschaulicht.

Am Ende des Buches finden sich fünf Stichwortverzeichnisse zum Auffinden jedes Einzelwortes, auf Deutsch wie für jede der genannten vier anderen Sprachen.

Ausgangspunkt ist – wo es ergiebig ist für die angestrebte schattierende Worterklärung und Bedeutungsdifferenzierung –  die Herkunft der Einzelwörter. Zurecht schreibt Lyon im Vorwort dazu: „Ist doch in vielen Fällen das Zurückgehen auf die sinnliche Grundbedeutung eines Wortes das einzige Mittel, um eine klare Anschauung von dem Begriffe desselben zu erhalten.“ (S. IV).

Zum Beispiel:

anfangen: von Hand an etwas legen zum Halten, angreifen, anfassen; 

anbrechen: eigentlich ein Brot, eine Flasche anbrechen, anfangen von dem Brote abzubrechen, der Flasche  ,den Hals brechen‘;

anheben: angreifen zum Bewegen, man rief Hebenden zu ,Hebt an!‘

So erklärt das Wörterbuch den Unterschied zwischen Zweck und Ziel:

„Zweck (urspr. ein kurzer Eisennagel oder Holzpflock (jetzt noch Schuhzwecken), namentlich der Nagel in der Mitte der Schießscheibe, nach dem der Schütze zielt) bezeichnet überhaupt das, warum und wozu etwas getan wird, oder warum und wozu etwas da ist, z.B. ,Der Zweck der Tragödie ist Rührung‘, Schiller, Über die tragische Kunst. So spricht man vom Zweck einer Reise, einer Handlung, eines Gesetzes, eines Buches usw. Ziel (urspr. das Ende oder die Grenze, die für einen Gegensatnd oder für eine Tätigkeit gesetzt wird, namentlich der beim Wettlauf zu erstrebenden Ort oder Gegenstand) ist der Endpunkt, der erstrebt wird, z. B. das Ziel einer Reise ist der Ort, nach dem man reist, der Zweck einer Reise ist die Erholung, ein Geschäft, ein Besuch usw. ,Ich jage nach dem vorgesteckten Ziel‘ (Phil. 3, 14).“

Manche Erläuterung des wackeren Prof. Lyon, seines Zeichens Stadtschulrat in Dresden, atmet wilhelminischen Geist und entbehrt nicht der Komik: „Auch eine tugendhafte Frau reizt durch ihre außergewöhnliche Schönheit; aber eine Buhlerin lockt den unerfahrenen Jüngling durch ihre verführerischen Künste in ihre Netze.“

Auch in Vergessenheit Geratenes aus der Sprachgeschichte findet sich, etwa der Versuch Goethes und anderer Autoren, Egoist durch Selbstler oder Selbstling zu verdeutschen.


Einbildungskraft und Phantasie: „Die Fähigkeit, früher durch die Sinne wahrgenommene Erscheinungen zu reproduzieren und sich vorzustellen, nennt man Einbildungskraft. Von dieser unterscheidet sich die Phantasie dadurch, dass sie sich nicht, wie die Einbildungskraft, auf das Entstehen einzelner Vorstellungen , sondern auf die willkürliche und unwillkürliche Verknüpfung derselben untereinander bezieht.  Namentlich bezeichnet Phantasie die Fähigkeit, die Vorstellungen in ganz neue Verbindngen treten zu lassen und so schöpferisch tätig zu sein. (…)“

FAZIT: Für jeden, dem daran liegt, sich präzise auszudrücken, ist das Handlexikon ein perfektes Hilfsmittel, in unseren Tagen genauso wie vor hundert Jahren. Und: auch zweckfrei und ziellos (siehe oben) eine bereichernde Lektüre. Im Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB) lassen sich Exemplare unschwer und zu einem guten Preis beschaffen.