Watermelon Man

On a visit to New York a few years ago I bought a second-hand record, the single Watermelon Man by Gloria Lynne, the original 45 from 1965. At that time I didn’t know anything about her, but I did know the tune. It was Herbie Hancock’s famous jazz instrumental; Gloria Lynne had written lyrics for it. At home I gave it a spin and I liked it from the start: a beautifully sung jazz tune, tightly arranged by the great Al Cohn. The occasional pop and crackle and the fact that it is a mono record only add to its charm. In fact, I’ve listened to it quite a few times since.

The other day I happened to listen to it again, and decided to do some research on the Internet. Gloria Lynne, an Afro-American, was born in Harlem in 1929, sang in a church choir as a young girl; her career as a jazz and soul vocalist spanned decades; she died in 2007. Her single Watermelon Man went to number 8 on the R&B charts in 1965.

But, strangely enough, her song was nowhere to be found on iTunes. There is a live version of the same song, hidden on an obscure album, but the hit song was not available. There is a version by Jon Kendricks that has different lyrics, which do not emphasize the glory of eating watermelon as strongly as Gloria’s version.

On amazon.com I checked the top five albums by Gloria Lynne, all hit compilations, one of them a double disc with over 40 songs; none of the albums contains the song. The title of the first of these records, ‘The Greatest Hits’, is a blatant lie, because Watermelon Man was one of these greatest hits. Her Wikipedia entry doesn’t mention the song among her hits; there is a reference to it at the very end of the article.

That was when I started to smell a rat. As a rule of thumb, whenever something (for example a quotation, a book, a historical fact) or someone (for example an author, a painter) disappears without a trace, there must be a case of ‘Political Incorrectness‘. But concerning a song which celebrates watermelons of all things? “I would buy one from you every day… they make you almost want to eat the seeds… big, ripe, red, goody-good watermelons…. Everybody digs Watermelon Man!“

However, I was right, my instinct had not deceived me. I found out that the Watermelon Man is a racist stereotype used to ridicule Afro-Americans. Racist caricatures show a Black Man sinking his teeth greedily into a big slice of watermelon. There is a movie called Watermelon Man (1970), which deals with a racist waking up as an Afro-American one morning. Now he, an insurance salesman, who used to sneer at ‘Watermelon Men’, has become one himself.

Question: Is it possible that two Afro-American artists of the calibre of Herbie Hancock and Gloria Lynne were NOT aware of this connotation? I did some further research until I chanced upon Hancock’s autobiography Possibilities (2014), in which he addresses the topic in a clear, rational way:

“I took the situation apart analytically. I asked myself two questions: Is there anything wrong with watermelons? No. Is there anything inherently wrong with the watermelon man? No. I didn’t like the fact that something as innocent and inoffensive as a watermelon had been so completely co-opted by racism, and I didn’t want to give in to it, because giving in to it felt like giving in to that victim mentality, the tendency to accept, subsconsciously or otherwise, the negativity that racism directs at us.“

There’s nothing to be added; the song can be listened to on YouTube.

Vorfahren? Welche Vorfahren?

Bitte auf das Bild klicken, um es ganz zu sehen.

Dass die Germanen das Volk unserer Vorfahren waren gilt uns als ausgemachte Sache, ist es aber nicht, wie ein Blick auf das Englische zeigt, wo es nur ein Wort gibt, Germans, das sowohl die Germanen als auch die Deutschen bezeichnet, uns also ohne Umschweife mit unseren Altvorderen und ihren rauhen Sitten in einen sprachlichen Topf wirft. Problematisch ist aber auch unsere Verwendung des Epithetons ,alte’ Germanen, das die Betroffenen gewissermaßen zu einem Zustand ewigen Greisentums verdammt.

Auch in unserm Nachbarland Frankreich liegt die Sache mit den Vorfahren nicht so einfach, wie uns das zunächst scheinen könnte.

In der in Frankreich beliebten Taschenbuchserie Gallimard Découvertes heißt ein Titel ,Nos ancêtres les Romains’. ,Unsere Vorfahren, die Römer’? Würde man nicht ,Nos ancêtres les Gaulois’ erwarten? Die Antwort auf die Frage ergibt sich aus zwei weiteren Bänden derselben Reihe, ,L’Europe des Celtes’ sowie ,Quand les Gaulois étaient Romains’: Nach der Eroberung durch Julius Cäsar setzte die rapide Romanisierung Galliens ein, die lateinische Sprache verbreitete sich überall und wurde zur Grundlage des modernen Französisch, eine spezifisch gallisch-römische Mischkultur entstand. Allerdings: Selbstverständlich finden sich, wie eine kurze Google-Recherche ergibt, nicht nur Bücher mit dem Titel ,Nos ancêtres les Gaulois’, sondern auch mit dem Titel ,Nos ancêtres les Francs’; die Franken waren es schließlich, die Land, Einwohnern und Sprache ihre Namen gaben.

Zurück zu ,Nos ancêtres les Romains’ (R. Hanoune, J. Scheid; 2003 (1993)) und ,Quand les Gaulois étaient Romains’ (F. Beck, H. Chew; 2008 (1989)). Beide Bände sind – wie von Gallimard Découvertes gewohnt – hervorragend bebildert und dokumentiert. Zahlreiche Farbaufnahmen veranschaulichen den Siegeszug römischer Kultur in allen Lebensbereichen Galliens. „En 52 av. J.-C., la Gaule est conquise … Mais Alésia n’est pas la fin de la Gaule. Rome unifie et organise le pays, propose à ses habitants un mode de vie qu’ils adoptent volontiers. Les Gaulois assimilent de nouveaux usages et, les mêlant à leurs traditions, créent une civilisation originale, la civilisation gallo-romaine, qui s’épanouit pendant plus de deux siècles de paix.“ (,Quand les …’, S. 13)

Insbesondere in den beiden südfranzösischen Städten Nîmes und in Arles finden sich noch heute bedeutende architektonische Zeugnisse der Römerzeit. Auf S. 21 in ,Quand les Gaulois …’ ist ein besonders schöner Fund aus Arles abgebildet, die Marmorkopie eines Ehrenschildes für Augustus. Auf diesem Rundschild ist eine Inschrift eingraviert, die auch auf der Fotografie klar leserlich ist.

Die Erläuterung zu dem Foto lautet: „Copie, trouvée en Arles, d’un bouclier de Vertu offert par le Sénat à Auguste en 27 av. J.-C.“. Da sich in dem Buch nichts Näheres zu der Inschrift und ihrem Kontext findet, hier zunächst der vollständige Text plus Übersetzung:

Senatus populusque Romanus imperatori Caesari divi filio Augusto consuli VIII (=octavum) dedit clupeum virtutis, clementiae, iustitiae, pietatis erga deos patriamque.

Der Senat und das römische Volk haben den Imperator Caesar Augustus, Sohn des vergöttlichten Caesar [der Oktavian, den späteren Augustus, adoptiert hatte], zum achten Mal Konsul, mit diesem Ehrenschild für Tüchtigkeit, Milde, Gerechtigkeit, Frömmigkeit gegenüber den Göttern und dem Vaterland ausgezeichnet.

Das Original des Ehrenschildes war, wie Augustus uns in seinem Tatenbericht mitteilt, aus Gold. Er rühmt sich dieser Auszeichnung:

In consulatu sexto et septimo, postquam bella civilia exstinxeram per consensum universorum potitus rerum omnium, rem publicam ex mea potestate in senatūs populique Romani arbitrium transtuli. Quo pro merito meo senatūs consulto Augustus appellatus sum et laureis postes aedium mearum vestiti publice coronaque civica super ianuam meam fixa est et clupeus aureus in curia Iulia positus, quem mihi senatum populumque Romanum dare virtutis clementiae et iustitiae et pietatis causā testatum est per eius clupei inscriptionem. Post id tempus auctoritate omnibus praestiti, potestatis autem nihilo amplius habui quam ceteri, qui mihi quoque in magistratu conlegae fuerunt. (Res Gestae, VI, 34)

In meinem sechsten und siebten Konsulat [also 28 und 27 v. Chr.] habe ich, nachdem ich den Bürgerkriegen ein Ende gesetzt hatte und mit Zustimmung der Allgemeinheit zur höchsten Gewalt gelangt war, den Staat aus meiner Macht entlassen und wieder der Entscheidungsfreiheit des Senats und des römischen Volkes übertragen. Für dieses mein Verdienst wurde ich auf Senatsbeschluss Augustus, ,der Erhabene’, genannt, die Türpfosten meines Hauses wurden öffentlich mit Lorbeer geschmückt, der Bürgerkranz über meiner Tür angebracht sowie ein Goldschild in der Curia Iulia [also dem Sitzungsgebäude des Senats] aufgehängt, den mir Senat und Volk von Rom verliehen aufgrund meiner Tüchtigkeit, Milde, Gerechtigkeit und Pflichttreue, wie die auf diesem Schild angebrachte Inschrift bezeugt. [in der griechischen Parallelversion: „ἀρετὴν καὶ ἐπείκειαν καὶ δικαιοσύνην καὶ ἐυσέβειαν ἐμοὶ μαρτυρεῖ“] Seit dieser Zeit überragte ich zwar an Einfluss und Ansehen alle, Macht aber besaß ich nicht mehr als diejenigen, die meine Kollegen in irgendeinem Amt waren.

Der abgebildete Schild führt also unmittelbar in den Prinzipat des Augustus und in die Selbstdarstellung des Herrschers.

Kühles Blondes, Graue Zellen

„Wer Bier trinkt, lebt 100 Jahre“ – so wenigstens will es ein legendärer italienischer Werbeslogan: „Chi beve birra, campa cent’ anni.“ Jeder, der gerne Bier trinkt, wird dieser Botschaft gerne lauschen. Das italienische Wissenschaftsmagazin Focus, das stets anregend Naturwissenschaften und Technik behandelt – Entwarnung: es hat nichts mit Merkels Hochglanzbroschüre desselben Namens zu tun – hat diesen Slogan nun abgewandelt.

„Wer eine Sprache lernt, lebt 100 Jahre“ – „Chi impara una lingua … campa cent’anni“ – ist der Titel eines Artikels von Daniela Cipolloni, der im Septemberheft 2017 (S. 66 – 70) erschien. Er behandelt, sorgfältig dokumentiert, die segensreichen Wirkungen des Fremdsprachenwerwerbs.

Neue Untersuchungen haben gezeigt, dass nichts so hilfreich für die Wahrung und Verbesserung der Gehirnleistung eines Menschen ist wie das Fremdsprachenlernen. Vorbei die Zeit, als man der Vorstellung anhing, nur Kinder oder Jugendliche seien dazu befähigt. Längst ist erwiesen: Man kann auch im Alter Sprachen lernen.

So wie man einen Muskel trainieren kann, so kann man auch sein Gehirn üben und elastisch halten. (S. 68): „Come per fare massa muscolare, conta l’allenamento“ [Genauso wie wenn man Muskelmasse schaffen will, kommt es auf das Training an.] Es entwickelt sich, wie aktuelle italienisch-chinesische Forschungen belegen, „più materia grigia“, mehr Gehirnmasse. Es entstehen „più neuroni, più interconnessi fra loro“: mehr Neuronen und mehr Verbindungen zwischen ihnen (S. 68). So berichtet Jubi Abutalebi, Neuropsychologe und Direktor des Zentrums für Neurolinguistik der Università Vita-Salute San Raffaele in Mailand, das mit der Universität Hongkong zusammen forscht.

Für jede Altersgruppe ist der Fremdsprachenerwerb die beste Gehirnschulung. Die Konzentrationsfähigkeit verbessert sich, alle kognitiven Fähigkeiten profitieren; es gibt keine Medikament, das dieselben positiven Wirkungen hätte. Der Spracherwerb kann einen Beitrag zur Demenzprävention und zur vollen Wiederherstellung der geistigen Fähigkeiten nach einem Schlaganfall liefern.

„Se il sistema sanitario finanziasse corsi di lingua per la terza età, potrebbe risparmiare centinaia di milioni di euro all’anno nella prevenzione delle demenze e dei loro costi socio-sanitari.“ (S. 68): „Wenn das Gesundheitssystem Sprachkurse für Senioren finanzierte, dann könnte es hunderte Millionen Euro pro Jahr einsparen – in der Prävention von Demenzerkrankungen sowie ihrer gesellschaftlichen und gesundheitlichen Kosten.“

 

Eurogrüße aus Barcelona

 

Mario Draghi, seit 2011 – zum Leidwesen des rechtschaffenen Sparers – Gehirn der Europäischen Zentralkrake, ist zwar selbst bereit, Geld zu drucken, wann immer es ihn in den Tentakeln juckt, diese numismatische Lieferung aus Barcelona dürfte ihm und den anderen Euro-Bürokraken freilich kaum behagen. Die Münzen, ein kompletter Euro- und Centmünzen-Satz Kataloniens, wurden letztes Jahr geprägt. Sie besitzen keinerlei Legitimation durch die EU. Falschgeld ist für die Münzen ein zu rüder Ausdruck; die Floskel täuschend echt scheidet aus: Nichts was mit Euro und Euro,rettung‘ zu tun hat verdient das Epitheton ,echt’. Ich betrachte sie als Sammlerstücke, und zwar recht ansehnliche.

Übersetzen ins Lateinische

Von einer Besucherin meiner Homepage bin ich gefragt worden, ob ich eine brauchbare Einführung in die Übersetzung Deutsch – Latein empfehlen kann. „Im Schulunterricht kommt die Übersetzung ins Lateinische kaum vor, im Lateinstudium dagegen spielt sie eine große Rolle. Wie kann man den Schritt vollziehen?“ Die Antwort: Ja, es gibt eine Werk, mit dessen Hilfe jeder, der Latein mag, erfolgreich diese Lücke schließen kann: R. Colebourns Latin Sentence and Idiom, Bristol Classical Press, zuerst erschienen 1948. Ein deutsches Werk von vergleichbarer Qualität ist mir nicht bekannt. 60 kurze Kapitel plus systematische englisch-lateinische Übungen führen in alle wichtigen Themen der lateinischen Grammatik ein. Die ca. 1800 erforderlichen Vokabeln – aus Caesar und Cicero – sind im Anhang als englisch-lateinisches Glossar abgedruckt. Sie sollten bekannt sein, müssen jetzt aber auch ,umgekehrt’ beherrscht werden.

Das Buch stammt – wie an allen Ecken und Enden deutlich wird – unmittelbar aus der Praxis, verzichtet auf jeden Ballast. Lösungsschlüssel zu den Übungen gibt es kostenlos im Internet. Wer das Buch nutzt, wird feststellen, dass es Unterschiede zum deutschen Lateinunterricht gibt, sowohl in der Vermittlung, als auch in der Sache selbst: Englisches Latein und deutsches Latein sind nicht ganz dasselbe. Aber die Unterschiede sind so winzig, dass sie dem Anfänger herzlich egal sein können, mit einer einzigen Ausnahme in dem ganzen Buch: In Deutschland verwendet man als Perfekt von ire nicht ivi, sondern immer ii.

Die Übungssätze sind nicht nur unterhaltsam, sondern entbehren – so wie es sich für einen englischen Schulklassiker gebührt – gelegentlich nicht delikat-spröder Eigenwilligkeit… Translate into Latin: “I fear that it may seem to you I am more imprudent than my companions.“ (p. 75) – “I shall not marry you unless you promise to dine at home every day.“ (p.140) – “Since all were present at the dinner, can anyone be free from suspicion?“ (p. 170). Agatha Christie lässt grüßen: Cum omnes cenae adessent, num quis suspicione vacare potest?

 

 

Dienstag, 13. Februar 2018: Zitat der Woche

Toute nation a le gouvernement qu’elle mérite. De longues réflexions, et une longue expérience, payée bien cher, m’ont convaincu de cette vérité comme d’une proposition de mathématiques.  – Jede Nation hat die Regierung, die sie verdient. Langes Nachdenken und eine lange Erfahrung, sehr teuer bezahlt, haben mich von dieser Wahrheit überzeugt wie von einem mathematischen Satz.

Joseph de Maistre, À M. le Chevalier de Rossi, Saint-Pétersbourg, 15 (27) août 1811

Zitiert nach: J. de Maistre, Correspondance, Paris (Les Belles Lettres) 2017, S. 846

Neu erschienener Fachaufsatz online

Ein neuer Aufsatz von mir kann ab sofort im Portfolio auf dieser Homepage gelesen werden und steht zum kostenlosen download bereit. Er trägt den Titel ,Die beiden Quellen von Shakespeares Julius Caesar‘. Ich hoffe, dass er für Anglisten und für Altphilologen gleichermaßen von Interesse ist. Die beiden Quellen sind Plutarch und Appian, die ich im griechischen Original auf ihre Bedeutung für das Shakespeare-Stück untersucht habe.

 

Eine Lektüreempfehlung

Letzten Sommer kaufte ich in Mailand in der großen Buchhandlung Mondadori am Dom – sie ist für deutsche Besucher ein Ort der Befremdnis, weil dort tatsächlich primär Bücher, nicht wie in der Mayerschen Seife, Badesalz und Teddybären verkauft werden, – das Buch von Massimo Fini Catilina – Ritratto di un uomo in rivolta, Marsilio editori, Venedig 2016, zuerst erschienen 1996.

Massimo Fini (geb. 1943) ist ein italienischer Krawalljournalist, der sich mit allen und mit jedem Thema anlegt. Nicht nur dem Revoluzzer Catilina widmete er seine schriftstellerischen Energien, sondern auch einem Kaiser, nämlich Nero. Beide Male ist sein Anliegen dasselbe: nach 2000 Jahren seinen Protagonisten zu rehabilitieren, ihm endlich die verdiente Würdigung widerfahren zu lassen. Sein Nerone (1993) – in dem er unter anderem in bester Karlheinz Deschner-Manier nachweist, dass selbstverständlich die Christen es waren, die Rom ansteckten – trägt daher den Untertitel ,2000 Jahre Verleumdung’, ,2000 anni di calunnie’.

In Catilina (zuerst erschienen 1996) geht es ihm darum, aus dem Schurken einen Sozialrevolutionär zu machen. Übrigens: dem dritten Bösewicht Roms, Clodius, widmete exakt nach demselben Schema der ,Rehabilitation’ ein Deutscher, Wolfgang Will, sein Buch Der römische Mob, das sogar von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft veröffentlicht wurde, 1991, also noch vor Finis Studien. Hier eine proposition de sujet meinerseits: „Herostrat – bedeutender Baumeister der Antike.“

Catilina ist rasant und unterhaltsam geschrieben. Vor allem aber: die Erzählung der Verschwörung Catilinas und ihrer Aufdeckung ist ein ,Selbstläufer’. Hier ist als Kostprobe, im Original und dann in meiner Übersetzung, eine der Stellen, an denen Fini Sallust und Cicero, die beiden ,Verleumder’ der Lichtgestalt, in sein Zielfernrohr nimmt (S. 46); journalistisch versiert, italienisch temperamentvoll und auf engstem Raum:

Nel 44, dopo la morte del dittatore, Sallustio, bruciato politicamente, si ritirò a vita privata nella sua splendida villa immersa nei famosi orti e solo allora scoprì la degenerazione dei costumi del suo tempo e, per dirla con Fabrizio de André, «si mise a dare buoni consigli perché non poteva più dare cattivo esempio». Lo stesso discorso vale, più o meno, per Cicerone. Il moralista che nella Prima Catilinaria tuona il famosissimo «O tempora! O mores!» e che esalta, mettendosi in prima fila, i boni, i timorati degli Dei, i virtuosi , i benpensanti, è lo stesso uomo miserabile, intrigante, meschino, avido, corrotto, che spurga fuori dalle lettere private.

Im Jahre 44, nach dem Tod Cäsars, war Sallust [,als Parteigänger Cäsars,] politisch ,verbrannt’. Er zog sich daher in sein Privatleben in seiner großartigen Villa zurück, die in den berühmten Gärten versteckt war, – und jetzt erst erkannte er den Sittenverfall seiner Zeit. So verlegte er sich darauf, um es mit Fabrizio de André zu sagen, „gute Ratschläge zu erteilen, – denn ein schlechtes Beispiel geben konnte er ja nicht mehr.“ Dasselbe gilt mehr oder weniger für Cicero. Der Moralist, der in der Ersten Catilinarischen Rede das hochberühmte „Oh Zeiten! Oh Sitten“ donnert und der sich in die vorderste Linie zwängt, um die boni (die Guten), die Gottesfürchtigen, die Wohlmeinenden zu rühmen – er ist derselbe erbärmliche, intrigierende, kleinliche, habgierige, korrupte Mann, der uns aus den Seiten der Privatbriefe entgegenspringt.

 

In Paris 1965

Am 27. März 1965 tritt der größte Gitarrist des Jazz, Wes Montgomery, mit dem Trio Harold Mabern, Arthur Harper, Jimmy Lovelace im Pariser Théâtre des Champs-Élysées auf, das Konzert wurde von ORTF mitgeschnitten. Als Gast spielt auf einigen Stücken auch der Saxofonist Johnny Griffin mit. Ein tour de force über vier LP-Seiten ist das Ergebnis, jetzt von Resonance Records zum ersten Mal vollständig veröffentlicht, auch als Doppel-CD. Das Vinylalbum ist auf eine Erstauflage von 3000 beschränkt, mein Exemplar trägt die Nummer 1650. Wes zieht alle Register seines Könnens, sein Spiel ist durchweg konzentriert-filigran – nur ein bis zwei Jahre später sollte die Gitarre in den Händen von J. Hendrix & Epigonen zur Tatwaffe epochalen Lärms entarten.

Erneuter Nachdruck von Speaking Better English!

Eins der erfolgreichsten deutschen Englischbücher, Speaking Better English, wird in diesen Tagen wieder einmal nachgedruckt. Das Buch ist eine systematisch aufgebaute Lernhilfe für jeden, der anspruchsvolle Kommunikationssituationen meistern will, etwa Bewerbungsgespräche, mündliche Prüfungen oder Präsentationen; plus Audio-Downloads!