Einträge von Christoph Wurm

Leere in Elfenbein

Ein Leser meines Blogs wies mich freundlicherweise hin auf ein mir bis dahin unbekanntes Werk, das „Handbuch der Hochstapelei in der Literaturwissenschaft“ (IGEL Verlag 2009) des emeritierten Anglistik-Professors Rolf Breuer. Ein höchst humorvoller und bereichernder Einblick in die Literaturwissenschaft der letzten Jahre. Breuer, etwa als Experte für die englische Romantik bekannt, liefert in seinem Buch […]

Faust aufs Auge

Nach ein paar Stunden Lateinunterricht kennt jeder die beiden Vokabeln ,pugnare’ – ,kämpfen’ ,pugna’ – ,Kampf’, nicht jedem aber dürfte klar sein, dass diese unscheinbaren Wörter mitten in ein Kapitel europäischer Sprachgeschichte hineinführen. ,Pugnare’ stammt von ,pugnus’ (-i mask.), ,die Faust’, heißt also ursprünglich ,boxen’. Wer ,pugnis ac calcibus’ kämpfte – im Italienischen ,con pugni […]

Zitate der Woche

(1) Die Weisheit Draculas Zitat von Bela Lugoși (1882 – 1956, geboren in Lugoj, Rumänien). Er spielte als erster in Hollywood einen rumänischen Landsmann: Graf Dracula. În crearea teoriilor, păstrează întotdeauna o fereastră deschisă, pentru a putea arunca una dacă este necesar. Beim Aufstellen von Theorien halte stets ein Fenster offen, um, wenn nötig, eine […]

Erneut und nochmal

Dass man die eigene Sprache am genauesten kennenlernt, wenn man sich mit Fremdsprachen beschäftigt, ist eine Binsenweisheit. Erst durch den Kontrast wird das scheinbar Selbstverständliche ja zur Besonderheit, konturieren sich reliefartig Charakteristika der Muttersprache und der Fremdsprache. Das Folgende ist, denke ich, ein gutes Beispiel. Eines der häufigsten lateinischen Präfixe ist RE- [rĕ], vor Vokal […]

Hase, du bleibst hier.

Beim Rückblick auf die Formen öffentlichen Diskurses im Jahr 2018, auf verschiedenste Arten von öffentlicher Information, Diskussion, Entertainment fällt mir ein merkwürdiges Spezifikum auf. In diesem Jahr sind wie nie zuvor die Grenzen zwischen den Formaten verschwommen, ja manche Kommunikationsformate verfolgen heute Intentionen, die ihren ursprünglichen Bestimmung zuwiderlaufen. Man denke an Reportagen als Kommentar, wie bei […]

Mit Cindy in der Oper

Wer aus der Perspektive des Philologen verfolgt, wie im Deutschland unserer Tage Debatten geführt (oder abgewiegelt!) werden, dem ist es nicht entgangen: Es haben sich einige bedenkliche rhetorische Strategien eingebürgert. Drei repräsentative Beispiele. Zunächst der Einsatz der Hyperbel, also der rhetorischen Übertreibung, um den politischen Gegner zu treffen. Sie ist eines der vulgärsten rhetorischen Mittel, […]

Mönche auf Indianerpfad

  Zu den Grundpfeilern der Halbbildung gehört die Vorstellung, die Naturwissenschaftler hätten, als sie seit der Aufklärung, also seit dem 18. Jahrhundert, die Fackel der Vernunft in die Welt hinaustrugen, glorreich den finsteren Widerstand von Kirche und Religion niedergerungen. Sie – so wissen es der gestandene ,Spiegel’-Leser, die ,Stern’-Abonnentin – waren die Sachwalter der Vernunft, „die […]

Remote, cut-off, exceptionally full

A quiz question: Who is it? “No poet has exercised over the poetic production of this country [Britain] so long or so continuous a control.“ Shakespeare or Milton? Here’s the the complete quotation, from Jasper Griffin, “Virgil“, in: The Legacy of Rome: A New Appraisal, 1992, p. 127: “In an essay published in 1931 to […]

Verdrehte Symbole

  Das Bild Guernica von Pablo Picasso ist gewiss eines der bekanntesten Gemälde des zwanzigsten Jahrhunderts. In zahlreichen Büchern, etwa Schulbüchern, ist es abgebildet, als Symbol der Schrecken des modernen Krieges oder, enger gefasst, des Luftkrieges gegen Zivilisten. Das Bild der aus den Fugen geratenen, durcheinandergewirbelten Welt gilt, ähnlich wie Picassos Friedenstaube, als Ausdruck fundamentaler Ablehnung des […]

Neuer Fachaufsatz steht im Bereich ,Portfolio‘ zum Gratis-Download bereit!

Ein neuer Artikel von mir ist erschienen, über den spätrömischen Dichter Rutilius Namatianus, dessen Werk über seine Rückkehr nach Gallien in Frankreich Aufsehen erregte, im letzten Jahr; aus welchen Gründen, zeige ich in meinem Aufsatz. Er erschien zuerst im Mitteilungsblatt des deutschen Altphilologen-Verbandes, Landesverband Nordrhein-Westfalen, 66. Jahrgang, Heft 2/2018, S. 17 – 24.