Einträge von Christoph Wurm

Guter Wein und schöne Männer

Wenn ein Wort im Italienischen allgegenwärtig ist, dann ,bello’. Es hat einen großen Bedeutungsumfang, von ,schön’ und ,schick’ über ,gut’ bis ,angemessen’ und ,günstig’. Oft wird es auch sarkastisch für das jeweilige Gegenteil verwendet, etwa: ,Bella figura!’, ,Schöne Blamage!’. Im Spanischen und Portugiesischen dagegen meint ,bello’/,belo’ ausschließlich Schönheit im vollen Wortsinn. ,Bello’ existiert in ähnlicher Form in […]

G-Menschen und U-Wörter

,Gutmensch’ – so lautete das ,Unwort’ des Jahres 2015. Gesellschaftlich förderliches, menschlich bewundernswertes, moralisch exemplarisches Verhalten werde – so die Jury der entrüsteten ProfessorInnen, die den Bann verhängte – durch dieses Wort in den Dreck gezogen. Das G-Wort behauptete sich jedoch auch als U-Wort, so als wäre nichts geschehen. Nur ein Jahr später startete daher […]

Salviamo la punteggiatura!!!

Unter dem Titel „Salviamo la punteggiatura“ – „Retten wir die Zeichensetzung“ (ohne ein folgendes Satzzeichen) hat das italienische Wissenschaftsmagazin Focus in diesem Monat (August 2018, Heft Nr. 310) einen lesenswerten Artikel herausgebracht. Er erläutert, wie die Kommunikationsgewohnheiten per telefonino den Gebrauch und die Bedeutung der Satzzeichen verändern. Die Texte, die wir etwa per WhatsApp erhalten […]

Wem die Stunde schlägt …

Geschichte der Weltliteratur in einer Stunde – ein Buch mit diesem Titel vorzulegen, dazu bedarf es sicherlich einer gewissen Kühnheit, um nicht zu sagen Dreistheit. Vor einiger Zeit entdeckte ich das 111 Seiten umfassende Buch aus dem Jahre 1921 in einem Antiquariat und erstand es gerade dieser kühnen Ironie wegen.1  Der Verfasser: Klabund, ohne Vorname. […]

Unerwünschte Erosionen

Die Kanzlerin A. Merkel äußert sich nicht häufig zu solchen Themen, wie mein Blog sie behandelt, aber auf der Bundespressekonferenz vom 20. Juli 2018 tat sie es. Sie äußerte sich metasprachlich, und zwar zum richtigen Sprachgebrauch in der politischen Diskussion. Ich habe ihre Worte heute von der offiziellen Seite bundesregierung.de übernommen und gebe sie hier unverändert […]

Schuld & Lust, Stolz & Holz 

Das Zerrbild der deutschen Kaiserzeit, das viele im Hinterkopf mit sich herumtragen, hat mich nie überzeugt: das eines militaristischen Obrigkeitsstaats, einer Art Nord-Vietnam unter Wilhelm II. als Kim Jong-un mit Pickelhaube. Dass sich in jüngster Zeit in der historischen Fachwissenschaft ein ganz anderes, facettenreiches Bild Bahn bricht, nehme ich gerne zur Kenntnis. Erst vor ein paar […]

Die Schwätzer und der Samurai

Einer der bedeutendsten lebenden deutschen Geisteswissenschaftler, der international renommierte protestantische Theologe Prof. Dr. Udo Schnelle, Spezialist für das Neue Testament, hat sich vor ein paar Tagen in einer Weise zu dem Themenkreis Kirche, Gesellschaft, Islam gemeldet, die inhaltlich sehr nahe bei meinen eigenen Äußerungen zu den deutschen ,Kirchenführern‘ in meinem letzten Blogeintrag liegt. Der Text […]

Das Kreuz mit der Erbse

Was ist ein Symbol? Ein Zeichen, ein Gegenstand, eine Handlung von tieferer Bedeutung. Oft schlicht, ja unscheinbar, aber von großem Gehalt, häufig für umfassende Wirklichkeiten stehend, umständliche verbale Erläuterungen ersparend. Man denke an konventionelle Symbole wie das Kreuz, das Hakenkreuz oder Hammer und Sichel. In der klassischen Definition des amerikanischen Literaturwissenschaftlers M. H. Abrams ist ein […]

Der letzte Schrei: das wandernde Klassenzimmer

Passionierte Wanderer und Radfahrer wussten es immer schon: Bewegung fördert das Denken. Das französische Magazin Sciences Humaines widmete letzten Herbst eine Spezialausgabe dem Lernen: Comment apprend-on? Das Thema wird unter allen möglichen Gesichtspunkten behandelt, aus pädagogischer, sozialer und psychologischer Sicht. Ein Artikel, von Martine Fournier (S. 54 – 59), ist alternativen Lernformen gewidmet, er trägt den Titel Apprendre […]

Zitat der Woche, 19. Juni 2018

„Crisi è quel momento in cui il vecchio muore e il nuovo stenta a nascere.“ (Antonio Gramsci, 1891 –1937) “Die Krise ist der Augenblick, in dem das Alte stirbt und das Neue Mühe hat zu entstehen.“